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Massstäblichkeit

Grenzen der Maßstäblichkeit und bewusste Unmaßstäblichkeit

Die ersten Modelleisenbahnen wiesen nur grobe Ähnlichkeiten zum realen Vorbild auf. Dies änderte sich mit der Einführung der maßstabsbezogenen Nachbildungen jedoch schnell. Die Gründe für die Unmaßstäblichkeiten liegen zum Teil in den Produktionsmethoden, die der jeweiligen Produktionszeit technisch und wirtschaftlich angepasst sein müssen, begründet. Zum anderen spielt die Physik, welche sich nicht maßstäblich verändert, eine entscheidende Rolle. Als Beispiel sei das Trägheitsverhalten erwähnt.

Bis heute werden vor allem Reisezugwagen in verschiedenen verkürzten Versionen angeboten. Die teilweise sehr engen Kurvenradien (Vorbildradien von 180 m stehen Modellradien von umgerechnet 20 m gegenüber) sind der Grund für diese Verkürzung. In Spur H0 werden Wagen im Längenmaß 1:110 (sind heute kaum noch erhältlich), 1:100 (dienen inzwischen als Einsteigermodelle), 1:93 (Märklin und Fleischmann) und 1:87 (unverkürzte Wagen) angeboten. Gebäudemodelle werden häufig noch stärker verkleinert. Gebäude im Maßstab 1:120 wurden geschaffen, um mehr Häuser pro Fläche unterbringen zu können. Gebäude, die in die Höhe wachsen, sind teilweise noch stärker verkürzt. Besonders hohe Bauwerke, beispielsweise Windkraftanlagen, sind auf 1:200 verkürzt. Es hat sich ein Trend entwickelt, im Rahmen dessen horizontale Objekte maßstabsgetreuer dargestellt werden.

Das Rad-Schiene-System, welches nicht maßstabsgetreu ist, stammt in vielen Baugrößen noch aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Ein maßstäbliches Rad der Spur H0 würde eine Breite von rund 1,5 mm und einen Spurkranz von 0,3 mm aufweisen. Für exakt maßstäbliche Fahrzeuge auf exakt maßstäblichen Gleisen hat sich international die Bezeichnung Proto durchgesetzt.

Störungsfrei werden handelsübliche Gleissysteme in H0 mit den Rädern nach NEM mit 2,8 mm Breite und einem Spurkranz von bis zu 1,2 mm betrieben. Der Spurkranz wird seit den letzten Jahren immer stärker verkleinert, um das Verhältnis zur Radbreite stimmig zu gestalten. Bei vielen Dampfloks ist der Radabstand bisher zu klein. Früher wurde als Ausgleich der Achsabstand vergrößert oder der Raddurchmesser verringert.

Die Gründe für die modellbahntypischen Kompromisse liegen in der Abwärtskompatibilität und im konservativen Kundenkreis begründet. Das Einschätzen der Grenzen des Machbaren oder des Sinnvollen fällt daher bisweilen schwer. Neben Modellbahnern, die die heute übliche Maßstäblichkeit für unnötig halten existieren auch Personen, die Echtdampfmodelle (siehe nächster Absatz) in Spur Z, das heißt in Maßstab 1:200, bauen. Die sogenannte Finescale besagt, dass die Tendenz der letzten Jahrzehnte (besonders Mitte der 1980er bis Mitte der 2000er Jahre) weitgehend in dir Richtung der exakten Maßstäblichkeit geht.